Die steigenden Ölpreise und der Gasstreit haben gezeigt: Die Energie der Zukunft wird vor Ort erzeugt. Neben bestehenden Photovoltaikanlagen und Blockheizkraftwerken wollen die Stadtwerke Nürtingen mit dem Bau einer Biogasanlage für neun Millionen Euro die dezentrale Energieversorgung weiter ausbauen.

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Zeittafel - Was bisher geschah:
29.09.08
 Informationsgespräch mit Bürgern in den Werkstätten der Stadtwerke Nürtingen GmbH 
15.11.08 Betriebsbesichtigung von ReFood in Metzingen
21.11.08 Besichtigung der ReFood-Biogasanlage in Schwallungen/Thüringen
10.12.08 Öffentliche Informationsveranstaltung in der Nürtinger Stadthalle K3N
März 2009 Artikel "Biogas - Die Energie der Zukunft" in der Kundenzeitschrift der Stadtwerke Nürtingen GmbH (Ausgabe 1-2009)
17.03.09, 12.05.09 und 30.06.09 Information des Nürtinger Gemeinderates in dessen öffentlichen Sitzungen
29.09.09 Beschluss des Nürtinger Gemeinderates pro Zielabweichungsverfahren

Weitere Termine:
24.11.09, 19:00 Uhr Öffentliche Diskussion in der K3N
25.11.09, 19:30 Uhr Öffentliche Diskussion in Raidwangen, Großer Gemeinderaum

Die wichtigsten Eckdaten:
Bis zu 20 Prozent des Nürtinger Gasbedarfs soll die geplante gemeinsame Biogasanlage der Stadtwerke Nürtingen und der ReFood GmbH am „Großbettlinger Gatter“ decken. Anders als bei anderen Biogas-Anlagen werden dort Lebensmittelreste und Abfälle aus lebensmittelverarbeitenden Betrieben, Gastronomie sowie Kantinen und Krankenhäusern verwertet. „Bei anderen Anlagen hat der Bedarf an nachwachsenden Rohstoffen oft Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Das heißt, es entstehen Monokulturen, so dass der ökologische Aspekt fraglich wird. Das trifft bei unserer Anlage nicht zu“, erläutert Stadtwerke-Geschäftsführer Volkmar Klaußer die Vorteile des Projekts. Holger Grund, ReFood-Niederlassungsleiter in Metzingen, ergänzt: "Die Vorprodukte, die bei der Produktion von Biogas in unseren Anlagen benötigt werden, fallen als Abfall- oder Nebenprodukt der lebensmittelverarbeitenden Industrie, der Gastronomie und im Einzelhandel an. Durch die energetische Nutzung entsteht kein Konflikt zwischen Teller und Tank, müssen keine Regenwälder gerodet werden und niemand unter schlechten Arbeitsbedingungen beim Rohstoffanbau leiden. Zum Klima- und Ressourcenschutz leistet das Biogas der ReFood einen erheblichen Beitrag, wodurch die wesentlichen Leitprinzipien einer zukunftweisenden und vor allem nachhaltigen Energiepolitik erfüllt werden."

45.000 Tonnen Biomasse pro Jahr -
Rund 45.000 Tonnen dieser Biomasse sollen pro Jahr in der Nürtinger Biogasanlage in wertvolle Energie umgewandelt werden. Schon heute sammelt ReFood im süddeutschen Raum jährlich rund 30.000 Tonnen Speisereste ein, um diese anschließend zu anderen Biogasanlagen zu transportieren. Die geplante Biogasanlage in Nürtingen erspart der Umwelt also viel Verkehr.

Abfälle werden zerkleinert -
In der Anlage werden die Speisereste und überlagerten Lebensmittel nach dem Abladen in maximal zwölf Millimeter kleine Partikel zerkleinert und unter Beimischung von Flüssigkeit pumpfähig gemacht. Dabei werden auch Verpackungsreste aussortiert. Anschließend wird die Biomasse eine Stunde lang auf über 70 Grad Celsius erhitzt. So werden Keime sicher abgetötet. Danach wandert die Biomasse in die Biogasanlage, wo sie vergärt. Dabei entsteht methanhaltiges Biogas, das in einem weiteren Schritt zu Bio-Erdgas aufbereitet und danach ins Netz eingespeist wird. Dann kann es in Blockheizkraftwerken in elektrische und thermische Energie umgewandelt werden. Rund 5.000 Haushalte können so mit Strom oder 700 Haushalte mit Wärme versorgt werden.

Strom für 5.000 Haushalte, Wärme für 700 Haushalte -
Wichtig ist eine gute Infrastruktur, die Biogasanlage sollte gut erreichbar sein und möglichst an einer Bundesstraße liegen. Unter dieser Prämisse hat sich der Standort „Großbettlinger Gatter“ von allen untersuchten Standorten als am Besten geeignet herausgestellt. Außerdem sollten Strom-, Gas- und Wasserleitungen in der Nähe verlaufen. Aus Rücksicht auf Anwohner soll ein Abstand von 400 Metern zu Wohngebieten eingehalten werden. Die gesamte geschlossene Anlage wird mit Unterdruck betrieben. Das bedeutet, dass die Luft über Öffnungen angesaugt und über Filteranlagen wieder abgeblasen wird. Die speziellen Abfallbehälter, in denen die Speisereste angeliefert werden, werden in einer geschlossenen Halle geleert, gereinigt und desinfiziert. Insofern ist Geruchsbelästigung kein Thema.